„Ich verstehe nicht, warum das Wort Mohrenkopf verboten ist“

„Unser Vorstand Khaled Ezzedine hatte am Rande einer Veranstaltung die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit Roberto Blanco zu führen“

Fragen an Roberto Blanco 

Wenn wir richtig gerechnet haben, sind Sie unglaubliche 58 Jahre auf der Bühne. Stimmt die Zahl?

Nein, es sind inzwischen schon 63 Jahre. Unglaubliche 63 Jahre.

Der »Puppenspieler von Mexiko« ist in diesem Jahr 84(?) ´Jahre alt geworden. Gab es dazu eine wirkliche Geschichte oder war es die Eingebung des Songschreibers?

Das Lied wurde zwar 1972 von mir aufgenommen, war aber vorher schon ein großer Hit, allerdings von Tom Jones.

Wenn ich Sie persönlich um etwas beneide, dann ist es die Möglichkeit, einen Abend mit Beatrice Egli zu verbringen. Haben Sie Kollegen und Kolleginnen, mit denen Sie besonders gut auf der Bühne harmonieren?

Eigentlich harmoniere ich mit allen Künstlern auf der Bühne. Das liegt wohl daran, dass ich mich von Herzen auch über den Erfolg der Anderen freuen kann. Ich denke, die Menschen merken das.

Unterscheidet sich eigentlich die heutige Schlagerwelt von der Früheren?

Schlager bleibt Schlager, egal aus welchem Jahr. Was sich von früher unterscheidet ist nur die Aufnahmetechnik. Früher wurde mit richtigen Orchesterinstrumenten eingespielt, heute nur noch mit Elektronikplaybacks.

Unser Verband führt gerade eine Kampagne für Selbstverantwortung unter dem Motto „Ich selbst trage die Verantwortung für mein Leben“. Das Motto dürfte Ihnen doch auf den Leib geschneidert sein, oder?

Ja, weil ich glaube, jeder Mensch ist verantwortlich für sein Leben und für das und wie er seine Mitmenschen behandelt. Mein eigenes Motto ist „Leben und leben lassen“

Wir Schwarze müssen zusammenhalten!« Haben Sie in einem schönen Bonmot Franz Josef Strauß geantwortet, als der Ihnen die Ehrenmitgliedschaft in der CSU antrug. Was glauben Sie, warum heute bei jeder Gelegenheit die „Opferkarte“ gezogen wird statt gütig und heiter über das hinwegzusehen, was nicht perfekt ist?

Leider leben wir derzeit in einer Gesellschaft, in der oft auf hohem Niveau gejammert wird. Es wird immer schwerer, die vielen Wünsche der Menschen zufrieden zu stellen.

Glauben Sie, dass die Sprachpolizei einschreiten muss, wenn ich einen Mohrenkopf genieße?

Ich merke, dass in der letzten Zeit immer mehr alte Worten plötzlich verboten werden - zum Beispiel Zigeunerschnitzel, Sarotti Mohr, Mohrenkopf, etc. etc. Ehrlich gesagt kann ich das nicht verstehen. Aber wir müssen wohl damit leben.

Ihre Hautfarbe habe Ihnen geholfen, sagten Sie einmal. Was meinten Sie damit?

Ja, ganz einfach. In meinen ersten Fernsehsendungen Ende 1950, Anfang 1960 war nur die ARD für große Fernsehshows zuständig, zum Beispiel die Show von „Peter Frankenfeld“ Und ich war der einzige farbige Sänger unter vielen anderen bekannten deutschen Stars. Dank meiner Hautfarbe war ich deshalb immer im Fokus. Und ich wurde sofort wiedererkannt. Bessere Werbung gab es nicht.

Vielen Dank, Ihnen alles Gute, und dass Sie noch lange über die Kraft verfügen, Menschen zu unterhalten.

28. Juni 2019

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