Dr. Björn Peters

Norwegens Speicherseen Batterien für Europa?

Die Energiefrage - #2

Norwegens Energiespeicher werden in vielen deutschen Energiediskussionen als mögliche Stromspeicher für Deutschland erwähnt, um bei uns schwankende Stromeinspeisung aus Sonne und Wind abzupuffern. "Norwegen als Batterie Europas" titelte Die ZEIT' sogar im Jahr 2011. Das ist, freundlich gesagt, praxisfern.

Lassen Sie uns die Speicher Norwegens und deren Stromerzeugungssystem näher betrachten. Norwegen versorgt sich fast ausschließlich durch Wasserkraftwerke mit Strom. Da es im Winter nicht regnet und die Flüsse einfrieren, bedarf es riesiger Speicherseen, die das Schmelzwasser im Frühjahr und den Regen im Sommer einsammeln, um auch im Winter ausreichend Strom zur Verfügung stellen zu können. Die Speicherkraftwerke sammeln nur natürlich abfließendes Niederschlagswasser, Pumpspeicherkraftwerke wurden so gut wie gar nicht gebaut. Stromleitungen vor allem nach Schweden, Dänemark und neuerdings den Niederlanden sorgen für einen Ausgleich, falls die Kraftwerkskapazitäten nicht ausreichen sollten. Nach Deutschland gibt es bislang keine Direktverbindung im Stromnetz aber die Projekte Nord.Link und NorGer hierzu, die in den nächsten Jahren fertiggestellt werden sollen.

Die etwa fünf Millionen Norweger verbrauchen pro Kopf etwa dreimal so viel Strom wie die Deutschen. Dies liegt vor allem daran, dass in Norwegen überwiegend mit Strom geheizt wird, der ungefähr halb so viel kostet wie bei uns, und die Winter lang sind. Durch eine substantielle steuerliche Förderung in Höhe von einigen zehntausend Euros pro PKW sieht man auch bereits viele Elektroautos auf den Straßen. Insgesamt verbrauchen die Norweger jährlich etwa 140 Milliarden Kilowattstunden bzw. Terawattstunden (TWh) und damit ein gutes Fünftel von ganz Deutschland.

Die Speicherseen sind mit über 82 TWh an Speicherkapazität riesig. Zum Vergleich: alle deutschen Pumpspeicherkraftwerke bringen es gerade auf 0,045 TWh. Rechnerisch würden die norwegischen Stromspeicher ausreichen, um in Deutschland die Schwankungen aus Solar- und Windenergie selbst dann auszugleichen, wenn wir uns vollständig aus Sonne und Wind mit Strom versorgen würden. Allerdings mussten in Norwegen seit 2002 jährlich durchschnittlich etwa 44 TWh zwischen Sommer und Winter gespeichert werden, manchmal aber auch deutlich mehr. Die höchsten und niedrigsten Füllstände der Speicherseen lagen bei knapp 15 TWh und gut 77 TWh. Die Speicher werden also in Norwegen gebraucht und stehen nicht für das Ausbalancieren zusätzlicher schwankender Stromerzeugungskapazitäten im Ausland zur Verfügung.

Hinzu kommen mehrere Faktoren, die die norwegischen Speicherseen für die deutschen Bedürfnisse ungeeignet machen.

Eine Integration norwegischer Speicherseen ins deutsche Stromnetz würde also voraussetzen, dass diese so stark umgebaut würden, dass sie kaum wiederzuerkennen wären. Der Neubau von Speicherseen scheitert auch in Norwegen am Widerstand der lokalen Bevölkerung, müssen doch dadurch ganze Täler zu Seen umfunktioniert und dadurch für Mensch und Rentierherden unpassierbar werden. Und nicht zuletzt wäre es nett, die Norweger erst zu fragen, bevor wir über ihre natürlichen Ressourcen verfügen. Im vergangenen Jahrhundert gab es ein paar Besuche aus dem Süden, die dort noch in unliebsamer Erinnerung sind.

12. 12 2016

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